Tansania – Von Nord über Ost und Süd bist West

0
9
views
tumblr_inline_nddpzoo2cw1t2r3ck

Nord-Tansania: Kilimajaro, Ngorongoro, Uchira 

Jedes große Abenteuer beginnt mit einem ersten Schritt. Unsere Reise begann am Kilimanjaro.

Unser erster Flug von Frankfurt ging ohne Umwege direkt zum Kilimajaro-Airport. Dort angekommen, mussten wir sofort unsere Verhandlungskünste unter Beweis stellen, da keine öffentlichen Verkehrsmittel verfügbar waren. Mit einem privaten „Taxi“ holperten wir in die nächste Stadt Arusha. Anders als erwartet war es am Regnen und kalt. Welcome to Africa!

Genervt von den vielen Street Boys, die einem alle möglichen Sachen andrehen wollen, machten wir uns nach ein paar Tagen auf den Weg nach Westen in die süße Kleinstadt Karatu, nahe des Ngorongoro Schutzgebietes. Wie wir auch später in den anderen Teilen des Landes feststellten, waren die Menschen in Karatu alle überaus freundlich zu uns und freuten sich, dass zwei Muzungus (Weiße) bei ihnen wohnten. Paulo, ein Local, den wir beim Frühstück in unserem Guesthouse kennenlernten, navigierte uns durch die staubigen Straßen Karatu’s.

Das Ngorongoro Schutzgebiet besteht aus einem riesigen Krater im Regenwald mit Steilwänden bis zu einer Tiefe von 600 Metern. Im Krater selbst herrscht eine savannenähnliche Vegetation mit einer Vielfalt von wilden Tieren. Eine Safari konnten wir uns aus diesem Grund nicht entgehen lassen. Alleine der Anblick am Kraterrand über den Wolken war spektakulär, aber die Fahrt hinunter war atemberaubend und mit nichts zu vergleichen. In diesem Gebiet leben noch wirklich traditionelle Massai in ihren Dörfern, isoliert und unabhängig vom Rest der Gesellschaft.

tumblr_inline_nddq3ub8ob1t2r3ck tumblr_inline_nddq6g0EmX1t2r3ck

Während der Safari hatten wir das Glück eine enorm große Vielfalt von Tieren zu sehen. Wir stießen auf Strauße, Warzenschweine, Büffel, Antilopen, Gnus, Zebras, Kojoten, Hyänen, Geier, Flamingos, Elefanten, Hippos und Löwen. Die vier verschiedenen Löwenclans, denen wir begegnet sind, habenuns am meisten beeindruckt, weil sie zum Teil nur einen Meter von uns entfernt waren.

tumblr_inline_nddqgh6reU1t2r3ck tumblr_inline_nddqhncaBL1t2r3ck tumblr_inline_nddqi5bMU51t2r3ck tumblr_inline_nddqjpbWbd1t2r3ck tumblr_inline_nddqla6zN51t2r3ck tumblr_inline_nddqlvHJTu1t2r3ck

Wieder näher am Kilimanjaro, in der Großstadt Moshi, verbrachten wir einige sonnige Nachmittage damit, über die lokalen Märkte zu schlendern. Jeden Abend hatten wir das Glück, dass sich Afrika’s höchster Berg (5895 Meter) der Wolkendecke entzog und uns somit die ersten atemberaubenden Blicke auf den Kilimanjaro geboten wurden. Die Gegensätze hätten nicht größer sein können: Moshi, die unruhige, wilde und hektische Stadt – Kilimanjaro, der große, ruhige, schlummernde Berg.

tumblr_inline_nddqngTjpz1t2r3ck

Der tansanische Priester Aristides lud uns bereits in Deutschland nach Uchira in seine Gemeinde ein. Dieses Angebot ließen wir uns natürlich nicht entgehen, da wir auf diese Weise die Kultur und das Leben in Nordtansania am besten kennenlernen konnten. Das kleine Dorf am Fuße des Kilimanjaro’s wurde Dank der Gastfreundschaft der Menschen für sechs Tage unser Zuhause. Wir durften Sonntags sogar zwei Mal an der Messe teilnehmen. Morgens um 6:00 Uhr und nochmal um 11:00 Uhr an der Kindermesse 😉 Obwohl wir uns bemühen mussten die Augen offen zu halten, hat es Spaß gemacht, weil viel gesungen und getanzt wurde. Außerdem hätten wir uns nicht wirklich drücken können, weil die Kirche weniger als 5 Meter von unserem Haus entfernt war…

Wir besuchten die örtliche Schule und den Kindergarten und wurden von den Kindern mit großen Augen angestarrt. Die Lehrer empfingen uns alle mit einem breiten Lachen und für sie war es selbstverständlich uns Besucher mit Stolz durch jeden Raum der Schule zu führen.  Auch für die Schüler waren wir eine gern gesehene Abwechslung vom Schulalltag.

tumblr_inline_nddqd7wJdL1t2r3ck

Eine eher traurige Erfahrung machten wir in der St. Francis School für behinderte Kinder. Auf diesem Gelände leben vor allem taube, stumme, blinde oder sonstig  körperlich behinderte Kinder und Albinos. Die meisten wurden von ihren Eltern und Verwandten verstoßen. Einige von ihnen mussten sogar gerettet werden, weil sie in manchen Völkern als nicht vollwertig angesehen und getötet werden. Es ist keine Seltenheit, dass Albinos Finger abgehackt werden, die als Glücksbringer dienen sollen. Die durch die Kirche finanzierte Schule ist für viele Kinder das einzige Zuhause, wo sie Bildung erfahren, Schlafplatz und Nahrung bekommen und als Jugendliche bereits zu einem Beruf ausgebildet werden. Zusätzlich verfügt sie über eine Krankenstation mit Doktor und einem kleinen Labor. Auch hier freuten sich die Lehrer unglaublich über unseren Besuch und die Kinder haben uns geschlagene 15 Minuten Lieder zur Begrüßung gesungen.

Zuhause im Parish lebten wir zusammen mit Father Aristides und Father Kajetan, Anna, der Köchin, und Thomas, dem Mädchen für alles, zusammen. Von Anna konnten wir abends tiefe Einblicke in die swahilische Küche erlangen und versuchen unsere neu erlernten Künste in Deutschland weiterzugeben. Eines Mittags gab es jedoch einen Zwischenfall mit einer Mini-Paprika in Timos Suppe. Es stellte sich heraus, dass die Mini-Paprika die schärfste Chili-Sorte überhaupt in Tansania war und vor dem Servieren übersehen wurde. Als Timo genüsslich auf der „Mini-Paprika“ herumkaute, konnte sich die gesamte Schärfe entfalten und brachte den starken Mann zum Weinen. Seitdem ist er vorsichtiger, was die Paprika im Essen angeht 😉

Am Wochenende und nach seiner Arbeit (er ist gleichzeitig als Anwalt in Moshi für das Bistum tätig) machte Father Aristides mit uns Ausflüge und zeigte uns die Gegend. Wir fuhren ins Kilimanjaro-Gebirge zu seinem Elternhaus, wo wir herzlich empfangen wurden. Die Eltern sind Selbstversorger und leben mitten im Regenwald; in ihrem „Garten“ haben sie alles, was sie brauchen. Schweine, Ziegen, Bananenpflanzen, Kaffeebäume, Bohnen, Spinat, Mais, Zuckerrohr, etc.

Außerdem besuchten wir Freunde im benachbarten Parish, die uns ebenso freundlich ihr Zuhause zeigten.

Eine der wohl bleibendsten Erinnerungen für uns ist der Tag am Lake Chala. Der See liegt an der Grenze zu Kenia mitten im Nirgendwo. Wir fühlten uns wie in einer Traumwelt. Die karge Landschaft ohne jegliche Hügel wurde unterbrochen durch ein Loch, das eine Tiefe von ca. 100 Meter und einen Durchmesser von 2-3 km besaß. Am Fuße der steinigen Steilwände war die Vegetation jedoch üppig und tropisch und erinnerte uns an den Film Avatar. Affen sprangen durch die Luft und spielten im Wasser. Absolut surreal und traumhaft!

tumblr_inline_nddqyyl92m1t2r3ck

An unserem letzten gemeinsamen Abend in Uchira war es an uns zu kochen. Gewünscht war deutsches, oder zumindest europäisches Essen. Mit der großen Herausforderung auf dem Buckel, machten wir uns auf in die Stadt nach Moshi. Leider stellten wir fest, dass es auf Grund der geringen Auswahl an Lebensmitteln schwieriger als geplant war, deutsch zu kochen. Letztendlich entschieden wir uns für eine abgewandelte Form von Lasagne 😉

Da Uchira noch näher am Gipfel Kibo liegt als Moshi, war die abendliche freie Sicht  immer wieder eine Sensation. An unserem letzten Morgen jedoch war der Himmel wolkenklar und wir konnten den von der Sonne bestrahlten Kilimanjaro bestaunen.

tumblr_inline_nddr07dm8A1t2r3ck

Ost-Tansania: DarEsSalaam, Zanzibar, Mbudya Island

Nach unserer wundervollen Zeit in Uchira machten wir uns auf den Weg nach DarEsSalaam an die Küste. Die Hafenstadt hat aus unserer Sicht kein besonderes Flair, weshalb wir schon am folgenden Tag die Fähre nach Sansibar nahmen. Die Insel, 40 km von der Küste entfernt, hat darum umso mehr Reize, die einen locken. Stone Town, mit seinen unendlich vielen, verwinkelten Gassen; der Norden, mit seinem klarem Wasser und den felsigen, weiten Stränden; der Süden, mit den weiten Seegraslandschaften bei Ebbe, den Algenplantagen der Dorffrauen und Strände geziert mit Kokosnusspalmen; und der zentrale JozaniForest, Zuhause der Colobus Affen und Heimat der Mahagoni-Bäume. Wir verbrachten 11 Nächte auf der tollen Insel. So viel Zeit und doch irgendwie zu wenig…

Nach dem doch touristischen Sansibar, machten wir uns auf nach Mbudya Island und erlebten dort ein zweitaegiges Abenteuer. Die traumhafte, naturbelassene, kleine Insel vor der Küste von DarEsSalaam gehörte eine Nacht uns. Auf der einen Seite ein komplett menschenleerer, verlassener Strand und auf der Anderen traumhaftes Wasser mit Korallen in unmittelbarer Strandnähe. Abends bauten wir unser Nachtlager am Strand auf und schliefen mit 3 anderen Locals, die zur Zeit die Insel bewohnen, unter freiem Himmel. Mit der Dämmerung kamen auch die Coconut-Crabs aus ihren Unterschlüpfen zum Vorschein. Die sogenannten Palmendiebe sind extrem große Landkrabben, die nur auf wenigen tropischen Inseln weltweit vorkommen. Sie sind die einzigen Tiere, die eine Kokosnuss ohne fremde Werkzeuge öffnen können. Diesen Anblick wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und machten uns im Dunkeln auf die Suche nach den kleinen Monstern 😉

tumblr_inline_nddr1v4GUd1t2r3ck tumblr_inline_nddr1pI0sl1t2r3ck tumblr_inline_nddraj49L41t2r3ck tumblr_inline_nddrayI2Ui1t2r3ck

Süd-West-Tansania: Mbeya, Tukuyu

Bevor es mit dem Bus in den Westen des Landes ging, sorgte unser Hotel in DarEsSalaam für Gefängnisfeeling. Da die Fahrt nach Mbeya 14 Stunden dauert, startete unsere Reise bereits um 5:30 Uhr am Morgen. Das heißt, dass wir uns wegen des starken Verkehrs in DAR schon um 4:30 Uhr auf den Weg zur Bus-Station machen mussten. Sachen gepackt und startklar stellten wir mit Erstaunen fest, dass unser Hotel mit einer Stahltür und Eisenschlössern verriegelt war. Aus Angst unseren Bus zu verpassen, suchten wir nach einem Ausweg und entschieden uns für das Hinabklettern an der Hauswand aus dem 1. Stock. Timo fand einen Wachtmann, der uns dann netterweise die Tür aufschloss. Gestresst erreichten wir unseren Bus und machten uns auf den langen Weg nach Mbeya.

Die Region Rungwe, in der sich die Städte Mbeya und Tukuyu befinden, liegt in den Southern Highlands von Tansania und ist bekannt für ihre vielen, aktiven Vulkane. 1700 Meter über dem Meeresspiegel liegt das kleine Städtchen Tukuyu, umgeben von einer malerischen Bergkette. Nicht weit entfernt besuchten wir die Bridge of God, eine natürliche Brücke aus Lavagestein, die über die Jahrtausende vom Wasser geformt wurde. Auf unserem Weg mit dem Piki Piki (Motorrad, öffentliches Verkehrsmittel) fuhren wir durch Bananenwälder und etliche Kaffee- und Teeplantagen. Am Nachmittag machten wir uns auf in die entgegengesetzte Richtung, zu den Kaporogwe Falls. Ein wundervoller Wasserfall mitten im Nichts, der eine kleine, grüne Oase schafft. Hinter den Fällen erstreckt sich eine Höhle, die einen tollen Blick auf das Wasser und das dahinterliegende Tal bietet.

tumblr_inline_nddqw2oNWa1t2r3ck

Als am darauffolgenden Tag die Sonne schien und sich dadurch eine noch bessere Sicht auf die umliegenden Berge bot, entschieden wir uns auf den 2700 Meter hohen Vulkan Ngozi zu wandern. Nach 4 Kilometern trockenem Buschland folgten 3 Kilometer üppiger Regenwald, bevor wir am Fuße des Vulkans ankamen. Hätten wir zu diesem Zeitpunkt schon gewusst, was noch auf uns zukommt, dann hätten wir sofort wieder umgedreht 😉 Wir mussten eine geschlagene Stunde den steilsten Pfad, den wir jemals gegangen sind, bis zum Kraterrand hinauf. Als wir oben ankamen, waren wir nass geschwitzt und am Rande unserer Kräfte. Der sagenhafte Blick in den 200 Meter tiefer liegenden Kratersee jedoch, machte die Anstrengung wieder wett. Ein tolles Gefühl – alleine am Rand eines Kraters und weit und breit keine Menschenseele.

tumblr_inline_nddrimongr1t2r3ck

Kommentiere den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here